Bremer Haus

Geschichte und Umbau

Im städtischen Wohnungsbau im Deutschland der letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts spielte der Geschosswohnungsbau, typischerweise als Angebot für mehrere Mietparteien pro Haus, eine immer dominierende Rolle. Nicht so in Bremen. Hier wurde mit dem sog. Bremer Haus eine Form des Reihenhausbaus stilprägend, deren Häuser ausdrücklich als 1-Familienhäuser auf gleich schmalen eigenen Grundstücken ausgelegt sind. Diese Bauform ist bis heute in vielen innerstädtischen Quartieren stadtbildprägend.

In verschiedenen Kooperationen und unter komplimentären Fragestellungen widmet sich das b.zb diesem Baubestand und seiner baukulturellen Bedeutung.

1.

Bremer Häuser bewohnen
Forschung: Hellmuth Lange, Fotografie: Kay Michalak (Fotoetage Bremen)

Das Bremer Haus wird in der Fachliteratur als architektonische Sonderform  gewürdigt: zum einen als Materialisierung spezifisch bremischer wirtschaftlicher Bedingungen, zum anderen als Objekt mit besonderem Denkmalswert. Demgegenüber hat die Frage nach den Wohnerfahrungen und -bedarfen der Bewohner:innen überraschend wenig Aufmerksamkeit gefunden. In deren Alltag steht das Bremer Haus nämlich vor allem – pittoreske Fassaden hin oder her – für eine fortwährende Aneignungs- und Umbautätigkeit. Von Beginn an stimmen Gebäudestruktur und Nutzungserfordernisse nur bedingt überein, da die gesellschaftlichen Realitäten schon bald nach der Wende zum 20. Jahrhundert den in der baulichen Struktur der Häuser eingeschrieben Vorstellungen großbürgerlichen Wohnens nicht mehr entsprachen. Die als Einfamilienhäuser konzipierten Gebäude wurden in der Folge schon früh in zwei und noch mehr Wohneinheiten unterteilt, baulich verändert und durch situative Wohnpraktiken angeeignet.

Die fotografische Aufnahme beispielhafter Bauten in der Franziusstraße wurde durch die Senatorin für Bauen, Mobilität und Stadtentwicklung (SBMS) gefördert.

2.

Autonomie und Serialität. Die Typologie des Bremer Hauses.

Projektleitung: Claudia Kromrei (HSB)

Die besondere Form des Bremer Hauses hängt zunächst mit seinen rechtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Entstehungsbedingungen zusammen. Die städtebauliche Prägung aber geht maßgeblich auf das englische Vorbild des Terraced House zurück. Dieser Bautyp, der schon seit dem 17. Jahrhundert in England verbreitet ist, wurde dort zum dominierenden städtischen Wohnhaus der Industrialisierung. In der Forschung der 1980er und 1990er Jahre wurde das Thema hingegen vornehmlich unter architekturhistorischen oder soziokulturellen Schwerpunkten beleuchtet. Eine systematische und typologische Analyse und insbesondere ein vertiefter Vergleich mit dem angelsächsischen Terraced House sind bislang nicht erfolgt. Das beantragte Vorhaben bildet daher den ersten Teil einer auf mehrere Jahre angelegten Forschungsvorhabens, in dem das Thema erstmals umfasssend nach aktuellem Wissensstand aufgearbeitet und um die Einbeziehung und Konstrastierung mit der englische Wohnhaus-Typologie erweitert wird.

Die Vorstudie mit einer ersten Bestandsaufnahme der Forschung durch das Forschungscluster „Region im Wandel“ der HSB gefördert.