DeichStadt
Hochwasserschutz und Baukultur
Hochwasserschutz zählt zu den wichtigsten Infrastrukturen Bremens und Bremerhavens. Ohne ihn stünden weite Teile des Zwei-Städte-Staats wegen des mittleren Tidenhubs von etwa vier Metern zweimal täglich unter Wasser. Mit dem Anstieg des Meeresspiegels aufgrund des vom Menschen verursachten Klimawandels nehmen die Anstrengungen für den Unterhalt und die fortlaufende Erhöhung der Deiche immer weiter zu.
Das Forschungs- und Vermittlungsprojekt “DeichStadt” widmet sich deshalb dem Hochwasserschutz aus baukultureller Perspektive. Das heißt, wir befragen die technischen Bauwerke des Hochwasserschutzes über ihre Anforderungen an den Küstenschutz hinaus nach ihrem Beitrag zur sozialräumlichen Entfaltung der Stadtgesellschaft, die in ihrem Schutz lebt. Welche Synergien für die Stadtentwicklung stecken in der Gestaltung der Beziehung zwischen Meer und Land? Aber auch: Wie beeinträchtigt der steigende Meeresspiegel das Leben der Menschen in Küstenstädten hier und weltweit? Wie können wir uns an die Klimakrise anpassen – nicht nur technisch, sondern auch sozial und emotional?
Das Forschungsfeld wird in Kooperation mit dem POLI-SEA-Netzwerk bearbeitet. Das internationale Netzwerkbeschäftigt sich mit der Rolle des kulturellen Erbes für die Klimaanpassung. Dafür entwickelt es unterschiedliche Kulturformate mit Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen in sieben Küstenstädten weltweit.
Ausstellungen und Vermittlung
In der Ausstellung »DeichStadt #1« dokumentierten die Fotografen Kay Michalak und Nikolai Wolff (Fotoetage Bremen) die Spuren und besondere wie alltägliche Momente des Lebens auf und mit den Anlagen dieses Hochwasserschutzes in Bremen und Bremerhaven. Unter den Kategorien „exemplarische Bauwerke“, „öffentlicher Raum“, „Pflege“, „Küstenlandschaft“ und „Wind und Wetter“ gruppierten sie eigene mit historischen Bildern, die einen ganzheitlichen Blick auf Bauwerke, Benutzung, Bestickung (= Unterhalt) und Bedeutung erlaubten. Darüber trat die Ausstellung in den Dialog mit aktuellen Stadtentwicklungsvorhaben, die für Bremen ein Leben am und mit dem Fluss propagieren und damit die Ertüchtigung von Hochwasserschutzbauten zum Ausgangspunkt machen, um über die zukünftige Gestaltung der Bremer/Bremerhavener ‚Waterkant‘ zu reflektieren.
»DeichStadt #2 (Living at the Urban Seafront)« hat die Diskussion um die baukulturelle Bedeutung und Potenziale von Küstenschutzanlagen in einem internationalen, inter- und transdisziplinären Pilotprojekt fortgeführt. Fotograf:innen aus Bremen und Jakarta dokumentierten Bauten und Maßnahmen des Hochwasserschutzes aus unterschiedlichen Perspektiven und rückten dabei insbesondere den Blick der Bewohner:innen beider Städte ins Licht. Die Ausstellung lud dazu ein, im Dialog mit Jakarta das gemeinsame Nachdenken über die Folgen des Meeresspiegelanstiegs für Küstenstädte zu intensivieren. Sie wurde sowohl in Bremen wie im Goethe-Institut Indonesien in Jakarta gezeigt. Die Auswahl der Bilder/Fotograf:innen in Jakarta erfolgte über einen offenen Wettbewerb. DeichStadt war eine offizielle „UN-Ocean-Decade-Activity“ der United Nations Decade of Ocean Science for Sustainable Development.
DeichStadt #1 und #2 wurden durch das Forschungscluster „Region im Wandel“ der HSB gefördert. Zusammen mit dem HSG Forum