Foto

 Das Bremer Medienhaus, erbaut um 1911, Foto: Jochen Römer

Der Bremer Kunsthistoriker Volker Plagemann hat im Verlag Ellert & Richter ein Buch über die Villen des italienischen Renaissancearchitekten Andrea Palladio (1508-1580) veröffentlicht. Dieses Werk wird im Bremer Zentrum für Baukultur (b.zb) vorgestellt. Mit der Buchpräsentation verbindet sich eine Ausstellung, in der die Villen des Baumeisters mit Fotos und Plänen dargestellt werden, aber auch die Bedeutung dieser Werke für die weitere Architektur- entwicklung erläutert wird. Palladio gilt als der einflussreichste Architekt der westlichen Welt. Die Übernahme von Stilmerkmalen seiner Bauwerke wird als Palladianismus bezeichnet. Die Ausstellung zeigt diese stilistische Beeinflussung speziell an Beispielen der bremischen Architekturgeschichte von der Weserrenaissance bis zu Postmoderne auf.

Das Buch von Volker Plagemann mit dem Titel "Die Villen des Andrea Palladio" hat einen Umfang von 496 Seiten und ist mit 176 Abbildungen versehen, Klappenbroschur. Es ist im Ellert & Richter Verlag erschienen und trägt die ISBN 978-3-8319-0462-4 und ist zum Preis von 29,95 € zu haben (Link zur Buchpräsentation).

Die Ausstellung "Palladio und der Palladianismus in Bremen" ist noch bis zum 24. Juni 2012 im Bremer Zentrum für Baukultur, Am Speicher XI, 1, 3.OG in 28217 Bremen zu sehen.

Geöffnet: Mo-Fr. 10:00-17:00 Uhr, So./ feiertags 15:00-18:00 Uhr

24. Juni / "Tag der Architektur" 10:00-18:00 Uhr

 

 

Foto

Palladio, Villa Barbaro in Maser, nach 1554, Foto: Johann Plagemann

 

Zur Ausstellung:

"Palladio und der Palladianismus in Bremen"

"Die Villen des Andrea Palladio"

Der Architekt Andreas Palladio wurde als Andrea della Gondola 1508 geboren. Der Sohn eines Müllers erlernte in Vicenza den Beruf des Steinmetzen. Ab 1537 führte er auch baumeisterliche Arbeiten aus.

Sein erster Bauherr, Graf Gian Giorgio Trissino, war von der Ausführung durch den etwa 30jährigen so angetan, dass er ihn in einen Kreis von Vicentiner Aristokraten aufnahm, der sich mit der Architektur von Landhäusern beschäftigte. Trissino gab ihm den Beinamen Palladio nach einem antiken Landwirtschaftsschriftsteller Palladius. Aus dem Kreis von Vicentiner Aristokraten erhielt der nun Andrea Palladio genannte Neubauten von Landhäusern in Auftrag, die dem Landhaus- oder Villenbau der Antike nachstreben sollten.

Damit begann eine Architektenkarriere, in der Palladio im Bau von Villen seine wichtigste Bauaufgabe fand. Volker Plagemann hat in einem Buch „Die Villen des Andrea Palladio“, das vom Bremer Zentrum für Baukultur herausgegeben wird, ausführlich sämtliche Villenbauten Palladios behandelt. Sie werden auf den Tafeln in der Raummitte zusammenfassend vorgestellt.

Darüber hinaus errichtete der Baumeister in Vicenza etwa 20 Stadtpaläste. Sein Ansehen als Architekt stieg noch, nachdem er sich 1549 mit seinem Projekt einer Ummantelung des Vicentiner Palazzo Comunale, der so genannten Basilika, durchgesetzt hatte. Auch Brücken in der Umgebung von Vicenza gehörten zu seinen Aufgaben. Schließlich wurde er der Architekt so berühmter venezianischer Kirchenbauten wie San Giorgio Maggiore oder Il Redentore.

Palladios Erfolge als Renaissance-Architekt beruhen auf seiner immer weiter gesteigerten Kenntnis der antiken Baukunst durch Studium der antiken Architekturtheorie und durch zahlreiche Romreisen. Dabei entwickelte er sich zu einem der fruchtbarsten Architekturschriftsteller, der Bücher über die antike Architektur in Rom und schließlich einen eigenen Architekturtraktat schrieb, die „Quattro Libri“ von 1570.

Palladianismus

Ebenso beachtlich wie das Werk Palladios ist die Wirkung, die es auslöste. Er wurde zum „einflussreichsten Architekten der westlichen Welt“ (Bruce Boucher), weil die Entwürfe in seinem Traktat und seine Bauten, darunter vor allem seine Villen, über Jahrhunderte als Vorbilder für die Architektur des „Palladianismus“ in ganz Europa und Nordamerika dienten.

Die symmetrische Anlage und die antikische Dekoration seiner Bauten, vor allem der Mittelportikus mit Freitreppe, Kolossalsäulen, Tempelgiebel und dahinter gelegter Vorhalle wurden für aristokratische Bauten übernommen. Der palladianistische Stil eignete sich für unterschiedliche Aufgaben: für die neuen Kulturbauten, Theater, Museen, Bibliotheken, ebenso wie für Bauten mit republikanischem Charakter, wie das Weiße Haus des nordamerikanischen Präsidenten, aber auch für Landhäuser in naturnah inszenierten englischen Gärten.

Palladianismus in Bremen

Palladianistische Wellen haben von Frankreich und England aus auch die Freie Hansestadt Bremen erreicht. Es gibt einzelne frühe Palladianismen in Bremen. Aber eine richtige erste Welle begann vor und nach 1800. Über die einzelnen Phasen und Bauaufgaben des Palladianismus in Bremen erfahren Sie mehr auf den seitlich angeordneten Ausstellungstafeln. Sie sind in folgende Abschnitte gegliedert: 1. Palladianismus vor und um 1800 in Bremen, 2. Palladianische Landhäuser um 1800, 3. Palladianische Amtsbauten, Kulturbauten, Wachen und Privathäuser, 4. Palladianische Stadtvillen um 1900, 5. Palladianische Kulturbauten um 1900, 6. Palladianismus um 2000.

Ein Verhältnis bremischer Architekten zu Palladio gibt es noch immer. Das demonstrieren „Die malenden Vier“, die Bremer Architekten Peter Hartlich, Harm Haslob, Helmut Rabien und Gert Schulze, die seit den 1980er Jahren ausschwärmen, um gemeinsam zu skizzieren und zu malen. Sie haben regelmäßig Italien bereist und dabei auch Bauten, vor allem Villen, von Palladio im Veneto aufgesucht, um davor zu sitzen und zu zeichnen. Sowohl die Fotos von ihrer zeichnerischen Arbeit vor Palladios Villen als auch ihre künstlerischen Ergebnisse bilden einen Aspekt des „Palladianismus in Bremen“.

Zeichnung
Andrea Palladio,Villa Rotonda, Zeichnung: Helmut Rabien
 
 

Gefördert durch Gerlach Schneider Partner Architekten und der Waldemar-Koch-Stiftung.

Logo_W_Koch
Logo_GSP